In Deutschland leben etwa 6.000 Menschen im Wachkoma. Nach Hirnverletzungen oder vorübergehendem
Sauerstoffmangel im Gehirn sind sie nach Wochen oder Monaten auf der Intensivstation nicht mehr vollständig zu
Bewusstsein gekommen. Im "Haus Königsborn" in Unna hat man sich auf die Langzeitpflege dieser Wachkoma-
Patienten spezialisiert.
Anke wohnt hier, die sich vor zehn Jahren mit Tabletten das Leben nehmen wollte, oder Bernd, der im Urlaub unter
Alkoholeinfluss in einen Swimmingpool mit viel zu wenig Wasser sprang. Bei Daniel war es die zunächst
unentdeckte Diabetes, die ihn mit offenen Augen ins Wachkoma fallen ließ.
Im "Haus Königsborn" geht man davon aus, dass Menschen im Wachkoma keine Sterbenden oder Hirntoten sind.
Durch ein "Lebenswelt-orientiertes Konzept" wollen Pfleger und Therapeuten alle noch vorhandenen Sinne der
Koma-Patienten ansprechen und Erinnerungen wachrufen. Keiner der 36 Bewohner verbringt den Tag im Bett.
Stattdessen fahren die Betreuer sie in Rollstühlen über den Marktplatz, gehen abends mit ihnen in die Kneipe oder
auf Rock-Konzerte.
Reporter Arnd Gütgemanns hat beobachtert, wie Therapeuten mit ihrer "Biografie-Arbeit" durch das Anknüpfen an
alte Gewohnheiten erstarrte Lebensgeister neu erwecken wollen.